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Die Mitglieder des Trägervereins des Frobenius-Instituts

Prof. Dr. Ulrich Braukämper
Prof. Dr. Peter Breunig
Prof. Dr. Mamadou Diawara
Prof. Dr. Christian F. Feest
Prof. Dr. Herrmann R. Jungraithmayr
Prof. Dr. Carola Lentz
Prof. Dr. Mark Münzel
Prof. Dr. Susanne Schröter
Prof. Dr. Bernhard Streck
Prof. Dr. Josef Franz Thiel
Prof. Dr. Katja Werthmann

Das Kuratorium des Frobenius-Instituts

Kanzler/in der Goethe-Universität (Kuratoriumsvorsitzender)
Prof. Dr. Roland Hardenberg, Direktor des Frobenius-Instituts
Prof. Dr. Martin Bartelheim, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats
Dr. Eberhard Mayer-Wegelin, Vorsitzender der Frobenius-Gesellschaft
Dr. Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt
Frau Anja Steinhofer-Adam, Vertreterin des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende)
Prof. Dr. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität

Der wissenschaftliche Beirat des Frobenius-Instituts

Prof. Dr. Martin Bartelheim (Vorsitzender)
Prof. Dr. Peter Berger
Prof. Dr. Andre Gingrich
Prof. Dr. Vinzenz Hediger
PD Dr. Sabine Klocke-Daffa
Prof. Dr. Rüdiger Krause
Prof. Dr. Hartmut Leppin
Prof. em. Dr. Georg Pfeffer
Prof. Dr. Kerstin Pinther
Prof. Dr. Judith Schlehe (stellvertretende Vorsitzende)
Prof. Dr. Eva Spies
Prof. em. Dr. Gerd Spittler

Das Frobenius-Institut

Das Frobenius-Institut ist eine rechtlich eigenständige Forschungseinrichtung an der Goethe-Universität in Frankfurt. Es befasst sich weltweit mit der Erforschung kultureller Diversität und anthropologischen Kongruenzen in Vergangenheit und Gegenwart. Das Frobenius-Institut sieht seine Aufgaben darin, kulturanthropologisches Wissen zu erweitern und über den wissenschaftlichen Dialog einen reflektierten Umgang mit kultureller Differenz zu fördern. Um diese Ziele zu erreichen, führt das Frobenius-Institut regelmäßig empirische Feldforschungen auf der ganzen Welt durch, bearbeitet und erweitert seine umfangreichen Archive und Sammlungen, publiziert über eigene Reihen und die Zeitschrift „Paideuma“ wissenschaftliche Erkenntnisse, fördert eine fundierte Reflexion der Fachgeschichte und kuratiert weltweit Ausstellungen zu einer Vielfalt von Themen. Das Frobenius-Institut setzt sich für einen ethischen Umgang mit Artefakten ein und widmet sich in diesem Zusammenhang auch der Erforschung der Herkunft und Besitzverhältnisse von Objekten.  

Aufgrund der Geschichte des Instituts liegt ein Schwerpunkt der Forschung auf kulturanthropologischen Studien zu Afrika. So führt das Institut seit Jahrzehnten Studien in Äthiopien durch, verfügt über eine einzigartige Sammlung an Felsbildmalereien aus der Sahara und dem südlichen Afrika, betreut ein Fotoarchiv mit ca. 60 000 Aufnahmen aus den Forschungsreisen von Leo Frobenius und veranstaltet Ausstellungen in verschiedenen afrikanischen Ländern. Weitere regionale Schwerpunkte haben sich in den letzten Jahrzehnten ergeben, etwa durch ethnographische Studien in Ozeanien und Südostasien, vor allem zu Prozessen der kulturellen Aneignung, zur kulturellen Fremd- und Selbstwahrnehmung und zu religionsethnologischen Themen. Seit 2017 hat das Frobenius-Institut unter der Leitung von Prof. Dr. Roland Hardenberg seine Forschung auf Süd- und Zentralasien erweitert und befasst sich verstärkt mit der kulturellen Wertschöpfung von religiösen Ressourcen. Für drittmittelgeförderte Projekte bietet das Frobenius-Institut einen geeigneten fachlichen und institutionellen Rahmen für relevante kulturanthropologische Forschungen weltweit.

Neben seinen empirischen Forschungen stellen die umfangreichen Sammlungen und Archive ein Charakteristikum des Institutes dar. Dadurch ergibt sich ein Schwerpunkt auf materielle und visuelle Kultur sowie eine besondere Affinität zu ethnologischen Museen und ihren Fragestellungen. Mit der systematischen Archivierung und Erschließung von ethnologischen Nachlässen verfügt das Frobenius-Institut über eine hervorragende Möglichkeit, die eigene Fachgeschichte anhand von konkretem Text-, Bild- und Objektmaterial mit einer diachronen Perspektive zu verbinden. Die Erschließung, Digitalisierung und Präsentation der Sammlungs- und Archivbestände über Online-Kataloge erreicht breite Nutzerkreise und stellt eine im deutschsprachigen Raum einmalige Informationsinfrastruktur dar.

Mit der wissenschaftlichen Reihe „Studien zur Kulturkunde“ sowie der Fachzeitschrift „Paideuma“ erfüllt das Frobenius-Institut seine Forums- und Diskursfunktion für kulturanthropologische Forschung. Diesem Zweck dient auch die seit 1997/98 jährlich stattfindende Jensen-Gedächtnisvorlesung, zu der namhafte Wissenschaftler*innen aus dem In-und Ausland eingeladen werden. Durch die Unterstützung der Frobenius-Gesellschaft ist es dem Institut möglich, jedes Jahr einen Forschungsförderpreis für herausragende Dissertationen zu verleihen und damit Nachwuchsförderung zu betreiben.

Art rupestre africain: Pressestimmen / Revue de presse

 Presse zoom

 Presse Quotidien

 Presse LeSoleil 1

 Presse LeQuotidien

 Presse Enqute

 Presse APS

https://www.lequotidien.sn/reflexions-mediations-africaines-dans-la-construction-et-la-reappropriation-dun-savoir-ethnologique-un-colloque-international-reunit-des-intellectuels-a-lucad/

https://www.editoweb.eu/senbusinet/COLLOQUE-INTERNATIONAL-SUR-LES-MEDIATIONS-AFRICAINES-Dakar-revisite-les-connaissances-ethnologiques_a798.html

https://senbusinet.com/arts-et-culture/mediations/

https://www.lesoleil.sn/2016-03-22-23-38-25/item/62717-musee-de-l-ifan-a-dakar-une-exposition-revisite-l-art-rupestre-africain.html

https://www.enqueteplus.com/content/colloque-ethnologie-et-mediation-le-s%C3%A9n%C3%A9gal-prend-le-relais

 

 

 

 

 

 

 

Art rupestre africain: Bilder / Images

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Art rupestre africain

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 ArtRupestre Dakar

 > Fotos / Photos          

 > Pressestimmen / Revue de Presse

 

Art Rupestre Africain / Felsbilder Afrikas
De la contribution à la découverte d'un patrimoine universel / Afrikas Beitrag zur Entdeckung eines Welterbes

Bereits auf seinen ersten Forschungsreisen im belgischen Kongo (1904-06) und durch Französisch-Westafrika (1907-09) reiste der deutsche Ethnologe Leo Frobenius in Begleitung von Künstlern, die die traditionelle afrikanische Kultur meisterhaft dokumentierten. Ab seiner sechsten Afrika-Expedition 1913 fertigten Künstler, meistens junge Frauen, auch Kopien prähistorischer Felsbilder an. Auf abenteuerlichen Reisen in die zentrale Sahara oder in die Savannen des südlichen Afrika entdeckten und kopierten sie einmalige Kunstwerke, die heute zum Weltkulturerbe gehören. Vor tausenden von Jahren waren sie von Menschen auf Felswände gemalt und geritzt worden, die mit großer Kunstfertigkeit ihren Alltag, ihre Glaubensvorstellungen, ihren Bezug zur Natur und zu den Tieren abbildeten. Später wurden auch Felsbildregionen weltweit dokumentiert: in Spanien, Frankreich, Norditalien und Skandinavien sowie in Indonesien und Australien. Bis zu Frobenius‘ Tod im Jahr 1938 entstand so die weltweit umfangreichste Sammlung mit rund 5.000 Felsbild-Kopien, die sich heute im Frobenius-Institut an der Goethe-Universität Frankfurt am Main befindet. Darunter zahlreiche faszinierende Leinwände in Originalgrößen von bis zu 2,5 x 11 Meter, die das prähistorische Original mit großer Genauigkeit wiedergeben.      
Erst in jüngster Zeit hat man die spektakuläre fast vergessene Geschichte dieser Kopien rekonstruieren können, die in den 1930er Jahren in den meisten europäischen Metropolen  sowie in 32 amerikanischen Städten ausgestellt worden war. Auf gefeierten Ausstellungen waren sie beispielsweise im Berliner Reichstag, im Pariser Trocadéro oder im Museum of Modern Art in New-York zu sehen und beeinflussten Vertreter der künstlerische Avantgarde wie Picasso, Pollock, Klee, Masson, oder Arp.  
Nach den Zweiten Weltkrieg geriet die Sammlung zunächst in Vergessenheit und wurde erst kürzlich wieder öffentlich gezeigt. Die Ausstellung „Kunst der Vorzeit“ im Berliner Martin-Gropius-Bau (21.1. – 16.5.2016) ging nicht nur auf die abenteuerliche Entstehungsgeschichte der Bilder ein und zeigte deren Einfluss auf die moderne Kunst, sie präsentierte auch zahlreiche großformatige Leinwände deren Faszination man sich kaum entziehen konnte.
Die aktuelle Ausstellung in Dakar präsentiert nun eine spektakuläre Auswahl prähistorischer Kunstwerke aus Afrika. Die Originale befinden sich in Nordafrika (Algerien, Libyen, Ägypten) und dem südlichen Afrika (Namibia, Simbabwe, Südafrika) und sind zum Teil über 10 000 Jahre alt. Die Lebenswelten der prähistorischen Künstler sind längst untergegangen und die Bedeutung der Originale ist auch bei Experten umstritten. Nicht strittig ist hingegen ihre ästhetische Kraft, die auch heute noch Künstler bewegt. Der Umgang dieser ältesten Bildwerke der Menschheit mit Linie, Form, Fläche und Dynamik ist von überraschender Modernität und verbindet uns mit unseren entfernten Vorfahren.
So ging es auch den drei zeitgenössischen senegalesischen Künstlern, Abdoulaye Diallo „Le berger de Ngor“, Aichatou Dieng und Saliou Ndionge, die sich von den prähistorischen Schätzen afrikanischer Felskunst, zu eigenen Werken inspirieren ließen. Sie entwickelten eine ausdrucksstarke Bildsprache, die dank ihres Talents, ihrer Sensibilität und ihrer Inspiration zeigt, wie die Kunst über Zeiten und Länder hinweg eine gemeinsame Sprache findet. Alle drei Künstler zeigen exklusiv ihre neuesten Werke, die im Rahmen dieser spannenden Begegnung zwischen den Jahrtausenden einen ganz neuen Blick auf ein uraltes universelles Menschheitserbe eröffnet, ganz im Sinne einer Auferstehung der „Civilisation de l’Universel“ wie sie von Léopold Sédar Senghor gefordert wurde.
Die Doppelausstellung im Musée Théodore Monod de l’IFAN / Cheikh Anta Diop sowie im Goethe-Institut in Dakar (23. März bis 23. April) macht auch auf einen unbekannten Aspekt der Entstehungsgeschichte von Frobenius‘ Felsbildkopien aufmerksam: Mithilfe historischer Fotografien wird auf die ebenso wichtige wie oft verkannte Rolle der afrikanischen Führer, Übersetzer und Hilfskräfte der Felsbildexpeditionen verwiesen, ohne die der Zugang zu den verborgenen Fundpätzen undenkbar gewesen wäre.

Kuratoren / commissaires: Richard Kuba, Hélène Ivanoff (Frobenius-Institut)
und / et Maguèye Kassé (Université Cheikh Anta Diop, Dakar)

 

Die Ausstellung wurde organisiert duch das ANR-DFG-Projekt ANTHROPOS in Zusammenarbeit mit dem Institut Fondamental d'Afrique Noire der der Université Cheikh Anta Diop, dem Musée Théodore Monod d'art Africain-Cheikh Anta Diop sowie dem Goethe-Institut in Dakar /
L'exposition fut organisé par le proget ANR-DFG "ANTROPOS" en coopération avec l'Institut Fondamental d'Afrique Noire de l'Université Cheikh Anta Diop, le Musée Théodore Monod d'art Africain-Cheikh Anta Diop ainsi que l'Institut Goethe de Dakar

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Zur Ausstellung erschien ein Katalog  / Un catalogue acompagne l'exposition :

TitelseiteArt rupestre Africain. De la contribition africaine à la découverte d'un patrimoine universel

Herausgegeben von / Sous la direction de : Richard Kuba, Hélène Ivanoff, Maguèye Kassé

Frankfurt am Main: Frobenius-Institut, 2017

174 Seiten / pages,  97 Abbildungen / illustrations,

ISBN: 978-3-9806506-9-4       

Preis / prix : 5000 FCFA / 12 Euro

Zu beziehen über / obtenir ici :
Musée Théodore Monod /Ch.A.Diop, Place Soweto, Dakar oder / ou
Frobenius-Institut, Norbert Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, T:+40 69 798 33050, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Zum Inhaltsverzeichnis / Sommaire

 

Publiziert mit freundlicher Unterstützung der / publié avec l'appui de

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Cultural Research in Northeastern Africa. German Stories and Histories

The foundation of German-Ethiopian relations dates back to cultural research of the 17th century. For over three hundred years, Ethiopia and German-speaking countries enjoyed an unusual relationship built on scholarly and cultural curiosity and mutual affection. In November 2014 the Goethe-Institut in Addis Abeba hosted a symposium on “Cultural Research from Germanophone Countries in Northeastern Africa: Stories and Histories”. German and Ethiopian scholars and intellectuals presented stories and personalities of researchers, theories and experiences of success and failure, illustrated by findings largely unknown to the general public. In April 2015 an exhibition curated by Dr. Wolbert Smidt and in cooperation with Mekelle University and the Frobenius Institute took place at the Goethe Institute Addis Ababa. The rich history of German-Ethiopian Studies was exemplified through the stories of ten exceptional researchers.

Below you can find the handouts of the exhibition:

Abba Gorgoryos

Aleqa Tayee

Enno Littmann

Eike Haberland

Herma Plazikowksy-Brauner

Leo Frobenius

Mohammed Nur

Ruufoo

Werner Munzinger

Wilhelm Schimper

Closing Observations

 

 

 

Kunst der Vorzeit. Felsbilder aus der Sammlung Frobenius

mgb16 felsbilder 10 hand mit drei kleinen figurenDabei wird auch die Interpretationsgeschichte der prähistorischen Felskunst im vergangenen Jahrhundert berührt. Die Antworten auf die Frage, was die prähistorischen Künstler vor 7.000, 10.000 oder 30.000 Jahren ursprünglich mit ihren Werken bezweckten, eröffnet den Blick auf zeittypische Projektionen im Spannungsfeld zwischen evolutionistischen bzw. funktionalistischen Paradigmen und dem Postulat tief wurzelnder anthropologischer Grunddispositionen.

Oft an unzugänglichen Orten, in Höhlen oder Wüsten zu finden, wurden diese geritzten oder gemalten Bilder einer breiten Öffentlichkeit in den europäischen und amerikanischen Metropolen in Form von großformatigen Kopien bekannt. Die weltweit bedeutendste Sammlung dieser Kopien hatte der deutsche Ethnologe Leo Frobenius (1873-1938) angelegt. Seit seiner sechsten Afrikareise im Jahre 1912 hatte er Malerinnen und Maler als Kopisten auf seine zahlreichen “Deutschen Inner-Afrika Forschungs-Expeditionen“ mitgenommen. Die berühmten Felsbildensembles Nordafrikas, der inneren Sahara und des südlichen Afrika wurden vor Ort und oft unter abenteuerlichen Umständen abgemalt. Später entsandte Frobenius auch Expeditionen in die europäischen Felsbildgebiete Spaniens, Frankreichs, Norditaliens und Skandinaviens sowie nach Indonesien und Australien. Bis zu seinem Tode 1938 entstand so eine Sammlung von fast 5.000 Felsbildkopien, farbig und meist in Originalgröße mit Formaten von bis zu 2,5 x 10 Metern, die sich bis heute im Frobenius-Institut an der Frankfurter Goethe-Universität befindet.

Erst in jüngster Zeit konnte die fast vergessene, spektakuläre, internationale Ausstellungsgeschichte dieser Bilder rekonstruiert werden: In den 1930er Jahren tourten die Felsbildkopien durch fast alle europäischen Hauptstädte sowie durch 32 amerikanische Großstädte. In gefeierten Ausstellungen wurden sie u.a. im Berliner Reichstag, im Pariser Trocadéro und im New Yorker Museum of Modern Art gezeigt.

Alfred Barr, junger Gründungsdirektor des Museum of Modern Art (MoMA) in New York, war sich bereits 1937 sicher: “Die Kunst des 20. Jahrhunderts steht bereits unter dem Einfluss der großen Traditionen der prähistorischen Felsbilder”. Entsprechend zeigte er gleichzeitig mit den Felsbildern auch Werke von Künstlern wie Klee, Miró, Arp und Masson.

Bei der Herstellung der Felsbildkopien spielte hingegen das Interesse der künstlerischen Avantgarde zunächst keine Rolle. Waren die Kopien doch als transportable Faksimiles, d.h. als reine Wissenschaftsbilder gedacht, mit deren Hilfe kulturhistorische Entwicklungen der fernsten Vorgeschichte belegt werden sollten. Beim Kopieren von prähistorischen Felsbildern hatten sich die Malerinnen und Maler, so Frobenius, „mit einer Geistigkeit abzufinden, die der Vergangenheit angehört“.

Nichtsdestotrotz verfolgten die Kopisten der Felsbilder jeweils ganz eigene Wege im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Dokumentation und künstlerischem Anspruch. Das Interesse der künstlerischen Avantgarde an den prähistorischen Bildern blieb ihnen nicht verborgen. Die unterschiedlich verwendeten Maltechniken, die mitunter experimentellen Versuche, durch Farbe und Textur die Struktur des felsigen Untergrundes nachzuahmen und mit der Verwitterung und Lückenhaftigkeit der Motive zurechtzukommen, zeugen von individuellen Stilen und von zeitgenössischen künstlerischen Einflüssen.

Im Laufe der Zeit haben die gemalten Felsbildkopien ihren Status verändert und wurden von Kopien zu Originalkopien und weiter zu Originalen. War die Malerei zunächst die Dokumentationsmethode der Wahl, weil die Fotografie noch keine farbigen Aufnahmen - schon gar nicht in Originalgröße - erlaubte, erwies sie sich in den 1950er und 1960er Jahren als die erste von vielen technologischen Sackgassen in der wissenschaftlichen Dokumentation von prähistorischer Felskunst. Wegen ihres Übersetzungsprozesses von 3D zu 2D ebenso wie durch ihre Idealisierung und Dramatisierung der Motive, wurden gemalte Felsbildkopien als Wissenschaftsbilder diskreditiert. Gleichzeitig und contre-cœur wurden die gemalten Kopien zunehmend zur Kunst sui generis, d.h. einzigartig in ihrer Charakteristika, und zum Leitfossil einer vergangenen Wissenschaftsepoche, in der Wissenschaft und Kunst noch selbstverständlicher miteinander verquickt worden. Die Bilder waren, so der deutsche Ethnologe Mark Münzel, Ausdruck eines „wissenschaftlichen Expressionismus“.

Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau beleuchtet auch die Wechselwirkung zwischen Kunst und Wissenschaftsbild in den 1920er und 1930er Jahren. Sie zeigt, wie Felsbildkopien zu Kunst wurden und wie zugleich die Kunst durch Felsbildkopien beeinflusst wurde.

Die zahlreichen Werkschauen der Felsbilder befeuerten einen regen Diskurs zu den Anfängen der Kunst und der menschlichen Kreativität in der damaligen zeitgenössischen Kunstszene. Im Schaffen einiger Künstler zeichnet sich die Wirkung dieser Ausstellungen deutlich ab. Im Werk Willi Baumeisters gab es beispielsweise um 1929/30 einen Stilwechsel, in dem verschiedene von den Felsbildern bekannte Gestaltungselemente und Techniken zur Anwendung kamen. Bei anderen Künstlern ist die Beeinflussung subtiler. Sicher haben die Surrealisten in Europa maßgeblich vom Dialog mit der prähistorischen Kunst profitieren können, aber auch im Werk von Jackson Pollock gibt es entsprechende Hinweise.

Diese Ausstellung über die Urkunst als vitale Inspirationsquelle der Moderne und als Forschungsgegenstand diskutiert überraschend aktuelle Fragen. Zurück

Die Kulturstiftung der Länder, die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Hahn-Hissinck’sche Frobenius-Stiftung haben zur Restaurierung der Werke großzügig beigetragen.

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Begräbnisszene mit Mumie im Ochsenfell
Simbabwe, Rusape, Fishervall, 8.000-2.000 v.Chr., Aquarell von Joachim Lutz und Leo Frobenius, 1929
© Frobenius-Institut Frankfurt am Main

 

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Elenantilopen und langgliedrige Menschen
Republik Südafrika, Harrismith, Southeys Hoek, 1.500 v.Chr. - 1.500 n. Chr., Aquarell von Elisabet Mannfeld, 1929
© Frobenius-Institut Frankfurt am Main

 

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Drei hockende Gestalten
Simbabwe, Macheke, 8.000-2.000 v.Chr., Aquarell von Leo Frobenius, 1929
© Frobenius-Institut Frankfurt am Main

 

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Elenantilopen, Büffel und Menschen
Republik Südafrika, Harrismith, Balmoral, 8.000-2.000 v.Chr., Aquarell von Maria Weyersberg, 1929
© Frobenius-Institut Frankfurt am Main

 

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Gorgo-Elefant
Lybien, Fezzan, Wadi In Habeter, 10.000-6.000 v.Chr., Kohle auf Papier von Ruth Assisa Cuno, 1932
© Frobenius-Institut Frankfurt am Main

 

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Gruppe menschlicher Figuren
Ägypten, Gilf Kebir, Wadi Sura, 4.400–3.500 v.Chr., Aquarell von Elisabeth Charlotte Pauli, 1933
© Frobenius-Institut Frankfurt am Main

 

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Stehender weiblicher Wisent
Spanien, Kantabrien, Altamira, 16.000-14.000 v.Chr., Aquarell von Elisabeth Charlotte Pauli, 1936
© Frobenius-Institut Frankfurt am Main

 

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Handsilhouetten, Fische und Mond
Indonesien, Westpapua, Tabulinetin, 500-1.500 n.Chr., Aquarell von Albert Hahn, 1937
© Frobenius-Institut Frankfurt am Main

mgb16 felsbilder 16 hand und fusssilhouetten Hand- und Fußsilhouetten
Indonesien, Westpapua, Abba, 500-1.500 n.Chr., Öl auf Leinwand von Albert Hahn, 1937-1938
© Frobenius-Institut Frankfurt am Main

 

Kunst der Vorzeit. Felsbilder aus der Sammlung Frobenius

Vorschau

 

„Die Kunst des 20. Jahrhunderts steht bereits unter dem Einfluss der großen Traditionen der prähistorischen Felsbilder“
Alfred Barr, Direktor des Museum of Modern Art (MoMA), 1937

Auf der Suche nach ursprünglichen, unverbildeten Ausdrucksformen gab es in den 1920er und 1930er Jahren – neben jener der Kinder und psychisch Kranken – mit der Kunst der „Primitiven“ (wie man indigene Völker damals nannte) eine eher wenig beachtete Inspirationsquelle für die Entwicklung der modernen Kunst: die prähistorische Kunst, insbesondere die älteste überlieferte Form menschlichen künstlerischen Schaffens, die Felskunst. Rund 100, darunter viele großformatige und wandfüllende Felsbildkopien des Frobenius-Institutes sowie fotografisches und archivalisches Material verweisen auf die abenteuerliche Dokumentationsgeschichte der Felsbilder in europäischen Höhlen, der zentralen Sahara, den Savannen Simbabwes oder dem australischen Outback. Welche Wirkung diese zuvor ungesehenen Bilder auf die Moderne hatte und wie sie Künstlerinnen und Künstler inspirierten, ist Thema dieser Ausstellung. Mehr


Kurator: Dr. Richard Kuba, unter Mitarbeit von Dr. Hélène Ivanoff

 

Die Restaurierungsarbeiten wurden großzügig bezuschusst von

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Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Prestel-Verlag

sowie ein Lesebuch im Selbstverlag des Frobenius-Instituts

 

Martin-Gropius-Bau